
Der Umzug in meine neue und erste Wohngemeinschaft lief freundlich und reibungslos. Nach einem Kampfpreis für das Zimmer, einem zehnminütigen Vorstellungsgespräch und der SMS wenig später, dass man mich gerne als Mitbewohner hätte, zog ich innerhalb von wenigen Tagen ein.
So leicht der Umzug doch war, so schwer gestaltet sich ein erster Kontakt zu meinen Mitbewohnerinnen, zwei Krankenschwestern im Schichtdienst. Die üblichen Gespräche zwischendurch gelingen natürlich – wie die Waschmaschine funktioniert, warum in der Küche noch keine Deckenlampe hängt – aber ein privater Kontakt kam bisher nicht zustande. Gestern lief ich am Zimmer von K. vorbei, hörte sie weinend telefonieren, auch heute scheint es mir, als würde sie sich verkriechen. Vielleicht hat sie Beziehungs- oder Arbeitsprobleme, fakt ist jedenfalls dass der Gang durch den Flur zum Spießrutenlauf wird, begegnet man sich (selten), gibt es wenig zu sagen, begegnet man sich nicht (häufig), ist sowieso keine Gelegenheit da. Die zweite Mitbewohnerin habe ich seit Tagen nicht gesehen, was wohl am Schichtdienst liegt.
Wie ich nun den Weg in ein vernünftiges, freundschaftliches WG-Leben schaffe, ist mir selbst nicht klar. Alle beidem zu einem eigens gekochten Essen einzuladen liegt nahe, ist aber viel zu aufgesetzt und birgt das Risiko, weiterhin in kein richtiges Gespräch zu rutschen. Da bleibt noch die Hoffnung, sich durch kleine Küchengespräche an die beiden heranzutasten. Zeitlich schwierig, aber zumindest wesentlich natürlicher.
Prinzipiell hätte ich ja auch mit einer Zweck-WG keine Probleme, aber erstens ist dafür alles noch viel zu offen und zweitens habe ich hauptsächlich vor einem Angst: Dass die WG vorzeitig aufgekündigt wird und ich mir eine neue suchen muss. Ohne den Komfort in unbegrenztem Zeit und Raum zu suchen, mit der Gefahr, auf die Schnauze zu fallen. Auch wenn ich erst zwölf Tage, die Mädels nur einen Monat länger hier in diesen neuen Räumlichkeiten wohnen: Die Angst treibt mich, die Ahnungslosigkeit bremst mich.
Eingeordnet unter Freunde, Leben, Zukunft