
Sie berührte mit ihrem Fuß beiläufig meine eigenen. Mir wurde erst unwohl, dann schlecht. Ich hatte dem Treffen lediglich zugestimmt, weil ich mich nicht mehr genau an sie erinnern konnte, sie keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte und vor allem: Weil ich nichts zu verlieren habe, ausser vielleicht einem guten Gesprächspartner, der sie nun mal war.
Und auch wenn eine Dreißigjährige nichts ist, was man einem Neunzehnjährigen als erste Freundin ans Herz legen sollte: Irgendwie reizte mich das Alter, die Erfahrung, der bereits gesetzte Lebensmittelpunkt. Nur war sie nicht mein Typ. Ich dachte, ich könnte mich darüber hinwegsetzen, von Äußerlichkeiten absehen, einfach Spaß haben und mit vollem Tempo auf meine erste Beziehung zu laufen, und dann berührte sie mich am Fuß.
Ich fing freundlich an, versuchte sie, als bereits verletzte Persönlichkeit, nicht weiter zu verletzen, erzählte ihr, ich sei noch nicht so weit. Sagte, ich bräuchte noch ein halbes Jahr, habe schon genug durchgemacht und wolle mich weiter zum positiven wenden, bevor ich mich auf etwas festes einlasse. Gedacht habe ich: Das ist nicht das, was ich wollte. Das ist nicht das, wofür ich kämpfe. Bloß raus hier.
Wir verabschiedeten uns im Guten mit beiderseitig anhaltenden schlechtem Gefühl. Sie so ins Messer laufen zu lassen war dumm von mir. Als ich später laß, wie sie über das Treffen empfand, glaubte ich an Parallelwelten. So muss sich also Liebe anfühlen.
Und so ein Korb.
3 Kommentare
August 5, 2008 um 11:43
Meiner ganz eigenen Meinung nach kann man immer nur dann von Liebe sprechen, wenn das Gegenüber so ein Gefühl und alle denkbaren Konsequenzen daraus „zulässt“.
Dieses Zulassen kann auch durch unbewußte Signale geschehen.
Vielleicht wurden Deine Signale falsch verstanden, vielleicht hast Du Dich auch wieder zurückgezogen, weil es Dir buchstäblich zu viel Nähe war.
Das alles ist für einen Aussenstehenden sehr schwierig zu beurteilen.
Deshalb kann ich auch nur versuchen zu beschreiben, wie dein Text auf mich wirkt:
Du selber scheinst verletzt zu sein.
Jemand ist Dir „zu nahe gegangen“ und es sieht aus, als wolltest Du Dich dagegen wehren.
Es ist nie einfach, rechtzeitig die passenden Worte zu finden, man kann auch nicht voraussehen, ob eine wohl überlegte Entscheidung ihre Gültigkeit behält. Wichtig scheint mir nur zu sein, daß man später sagen kann: „Zu dem Zeitpunkt, als ich sie getroffen habe, war diese Entscheidung für mich richtig.“
Vielleicht gibt es unterm Strich mehr Niederlagen als Erfolgserlebnisse. Damit müssen die meisten von uns irgendwie leben.
Was sich verändern lässt, sollte man versuchen.
Ich wünsche, daß die Verletzungen bald heilen – auf beiden Seiten.
Im günstigsten Fall kann man sich dabei auch helfen.
August 5, 2008 um 6:49
Da hast du ja nochmal kräftig nachgetreten, lieber Tatü. War das wirklich nötig?
Ich bin sehr blind gewesen. Ich habe ignoriert, daß du stark auf deine Außenwirkung bedacht bist, daß es dir sehr wichtig ist, die Oberfläche zu polieren. Ich habe ausgeblendet, wie sehr du O.C. California verehrst, und daß du dir wünscht, auch hip & trendy zu sein. Ich habe darüber hinweggesehen, daß Konsum für dich ein zentrales Thema ist (Markenklamotten, Designerstücke) und daß du seit Jahren einer Frau hinterherrennst, weil sie so schön ist und Stil hat.
Ich bin blind gewesen, und deshalb habe ich nicht gesehen, daß wir uns in völlig unterschiedliche Richtungen bewegen.
In „running up that hill“ geht es darum, wie es wohl wäre, wenn ein Mann und eine Frau die Plätze tauschen könnten, und eine Weile in der Haut des anderen stecken würden. Dein Beitrag und meiner, die zwei völlig unterschiedliche Realitäten spiegeln, sind ein Experiment in diese Richtung. Es zeigt, wie wenig wir beide voneinander verstanden haben, und wie unterschiedlich unser Verständnis von Liebe doch ist.
Ich mochte an dir ganz besonders deine gebrochene Biografie, die mit Tesafilm zusammengehaltenen Stücke. Ich würde dieses Weblog gerne weiterlesen, weil ich so gespannt bin, wie du dein Inneres mit der immer glätter werdenden Fassade balancieren wirst, und zu welcher Frau dich deine Suche nach Liebe führen wird.
Es wäre schön, wenn ich hier nicht mehr von mir lesen müßte. Es ist viele Monate her. Laß es ruhen, ich bitte dich.
August 6, 2008 um 8:51
Es gibt Dinge, die muss man herausschreien. Das habe ich hiermit getan, wohl mit dem Risiko kalkulierend, dich vielleicht zu verletzen oder anzugreifen.
Der Schrei ist verhallt, es kann weitergehen. Es tut mir leid – und das ist wohl das ehrlichste von allem, was ich gesagt habe.