
Den Punkt, mich über den selbstverschuldeten Verlust des Freundeskreises zu beklagen, habe ich schon länger hinter mir gelassen. Und doch bin ich bei den wenigen Treffen mit Leuten, die mir wirklich am Herzen liegen, viel zu steif, komme stundenlang nicht Fahrt und brauche Alkohol, um gesprächig und gesellig zu werden. Dann werden aus langweiligen Geburtstagen schöne Feste, die dank trunkenheit aber viel zu schnell vorbei sind.
Neulich hatte ich die vorletzte Stunde bei meinem Psychologen. Im Schwung des Revue passieren lassens erzählte er mich, dass ich zumindest bei ihm ein Gefühl der Unzulänglichkeit verursache, beim Begrüßen den Kopf senke, so dass man meine Mimik nicht erkennt, ob ich mich freue oder ärgere, bei ihm zu sein. Distanz aufbaue, nichts zulasse und falls doch: Schnellstens wieder abreiße. Ein klares ins-Gesicht-gucken, Mimik deutlich zeigen, nicht sofort ducken und vor allem: Danke sagen und lächeln sollte langfristig helfen.
Die Umsetzung erweist sich als schwierig, insbesondere weil Ergebnisse nicht sofort anwesend sind, jedoch: Zumindest einen geraden Rücken scheine ich zu bekommen, neulich schrieb ich an drei unterschiedliche alte Freunde aus Eigeninitiative eine Mail, ob man mal etwas trinken gehen könnte. Äußert ungewöhnlich für jemanden wie mich, der sich aus gespielter Schüchternheit immer nur einladen lässt. Was kam waren drei positive Antworten und ein gestärktes Ego. Vielleicht klappt das ja doch mit diesem… dem… Freunde. Ihr wisst schon.