August 8, 2008...9:54

PRISON

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Ich bin auf dem Weg zu meiner neuen Wohnung, zehn Minuten lief ich bereits von dem Haus meiner Eltern in Richtung Bahnhof. Dann ein Blitz, der einschlägt, direkt in meinen Kopf: Du hast doch gekocht. Hast du den Herd ausgemacht? Du hast doch Kaffee getrunken. Hast du die Maschine ausgemacht?

Ich wusste, dass ich beides niemals an lassen würde. Eigentlich saß ich nach dem Kochen noch viele Stunden vor dem Fernseher, ich hätte es also bemerken müssen, wenn etwas an wäre. Aber ganz genau konnte ich beides nicht bezeugen. Und so musste ich – sonst hätte ich mich 24 Stunden, bis ich das nächste mal zum Haus meiner Eltern gekommen wäre, mit dem Gedanken herumgeplagt, eventuell fürs Abbrennen des Hauses verantwortlich zu sein – zum Haus zurückgehen, nachgucken, nur um zu merken, dass natürlich alles ausgeschaltet war. 20 Minuten Fußweg für nichts und meine zu erreichende Bahn war natürlich weg.

Sowas passiert mir häufig. Schon, als ich mittags aus meiner neuen Wohnung losfuhr, dachte ich daran, vielleicht die Klobürste nach dem Einweichen nicht aus der Toilette herausgenommen zu haben. Was würden bloß die WG-Genossen denken? Sicher war ich mir nicht, zurückgegangen um nachzugucken bin ich aber auch nicht. Noch kann ich widerstehen.

Manchmal habe ich die Angst, später Gefangener meiner Psyche zu sein. Wenn ich mich bereits heute nicht auf das verlasse, was ich tue, wenn ich Instinkten nachgebe und nicht auf Rituale und Wissen vertraue, was wird dann mit mir in zehn Jahren sein? Plötzlich kann ich Menschen mit Putzfimmeln verstehen, weiß, was es heißt, sich einer Sucht nicht widersetzen zu können. Ich musste nachgucken. Ich habe nachgeguckt. Und ich würde auch wieder nachgucken, weil ich sonst viele Nächte nicht schlafen könnte.

3 Kommentare

  • Ich erinnere mich daran an einem Tag 8! mal zu meinem Auto zurück gegangen zu sein, weil ich nicht sicher war ob ich abgeschlossen hatte.

    Mindestens 2 mal fuhr ich von der Arbeit wieder nach Hause um zu sehen ob die Kaffeemaschine aus ist.

    Irgendwann habe ich mir angewöhnt solche Alltagshandlungen laut zu verbalisieren. Das half.

    Jetzt, wo ich kaum noch solche Ängste habe, vergesse ich wirklich ständig das Licht im Bad auszumachen, die Herdplatte auszudrehen und abzuschließen.

    Fragt sich was besser ist.

  • Ich halte es zwischenzeitlich damit, alle wichtigen Handlungen (Kaffeemaschine, Herd, Licht) noch einmal bewusst an- und auszuschalten. So weiß ich wenigstens sicher, dass sie aus sind.

    Wie eine Lösung kommt mir das aber auch nicht vor.

  • Mir war es eine Lösung, mich nicht an Dinge zu sehr zu klammern. Wer an Materiellem hängt und befürchtet, er könne es verlieren, der ist auch unsicher, ob die Dinge, die er sein Eigen nennt, auch sicher sind.
    Sich selbst zu sagen, dass alles, was einem genommen wird, dann genommen wird, wenn es einem größeren Plan entspricht, und dass niemals wirklich einem selbst gehört, sondern der Welt, entbindet einen von der potentiellen Enttäuschung, die entsteht, wenn etwas kaputt- oder verlorengeht. Wer sich nicht an Dinge bindet, kann sich stärker darauf konzentrieren, sein Leben zu leben.


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